Alles begann 1998. Vom Canadierfahren und der Bootsform fasziniert wünschte ich mir von meiner Freundin zum Geburtstag den Holzmodellbausatz (1:12) eines Canadiers. Diesen erspähte ich im Katalog von "Globetrotter". Das fertige Modell sollte einen Ehrenplatz erhalten. Aber was für ein Schreck! Als ich die Verpackung öffnete, traute ich meinen Augen nicht. Zahlreiche Holzstäbchen (Mikadostabgröße) kamen zum Vorschein. Sollte ich zu blauäugig an die Formulierung meines Geburtstagswunsches herangegangen sein? Der Preis des Geschenkes war auch nicht gerade von Pappe. Also was tun? Ich hatte wenig Lust, die Verpackung (innen die Halbzeuge) verstauben zu lassen. Der Kauf eines Laubsägekasten war der Start zur intensiveren Verfolgung meines Modellbauprojektes. Schnell waren die Modellspanten (Mallen) ausgesägt und auf den "Objektträger" aufgeleimt. Als ich seitlich an der Form vorbeisah, hatte ich eine gute Vorstellung von der zukünftigen Bootsform. Ich war begeistert. Beim Zusammenfügen der Holzleisten bekam ich erste Zweifel, ob das Modell nach dem Bauende in puncto Präzision meinen Ansprüchen gerecht werden würde.

Ungenauigkeiten von 1/10 mm am Modell sind massige   1,2 mm Ungenauigkeit am richtigen Boot.

Meine Freundin animierte mich zum nächsten Schritt. Ihr Satz klingt mir heute noch im Ohr. "Baue doch ein richtiges Boot"! Dieser Vorschlag kam mir erst reichlich übertrieben vor. Erste Recherchen in Internet sensibilisierten mich für dieses Thema. Nach und nach fand ich einige interessante Seiten. Im Urlaub (Silvester 1998) studierte ich das Buch der Bücher. In diesem Fall das Buch "Canoecraft", ein illustriertes Handbuch über den Bau leistengeplankter Kanus ( von Ted Moores und Merilyn Mohr, Übersetzung ins Deutsche im Auftrag von "von der Linden"). Dieses Buch hielt ich schon einmal bei einem Bootshändler in der Hand.

weniger mir den Baum dafür selber zu schlagen. Mit dem dafür benötigten Spezialwissen, einschließlich der Herstellung der Leisten, wollte ich mich nicht belasten. Der Tobac war so schon stark genug. Als stolzer Besitzer einer Schlagbohrmaschine und einer Stichsäge fehlte mir auch das notwendige Equipment. Ein Angebot (lt. Buchquelle) war schnell eingeholt. Dieses Angebot informierte mich über die anstehenden Kosten. Sie stimmten in keiner Weise mit denen im Buch überein.

Jedenfalls hatte ich jetzt die Materialangaben (Bezeichnung und Menge), welche ich für weitere Recherchen benötigte. Es war notwendig, ein neues Angebot einzuholen. Als Alternative dachte ich jetzt auch an normale Baumärkte für den Holzkauf. Falls es sich rechnet, wollte ich auch die Leisten selber herstellen. Da das Boot für mich kein Provisorium sein sollte, stellte ich hohe Ansprüche. Weder das Material, noch die Qualität ließen sich auftreiben. Von der Leistengeometrie (Querschnitt = Innenradius/Außenradius) ganz zu schweigen. Die Quintessenz 2001: makelloses Holz gibt es nur bei spezialisierten Holzhändlern. Ich fand damals nur zwei Holzhändler. Heute, nach dem Bootsbau, sind es vier Bezugsquellen, welche ich in Zukunft mit Materialanfragen beglücke. Der Materialpreis der benötigten Materialien belief sich auf ca. 3500,-DM(Nachbestellungen eingerechnet). Man muß halt Prioritäten setzen! Für den Bau eines einzigen Bootes reicht die Anschaffung von Elektrowerkzeugen der 250,- DM- Klasse (Bosch grün). Meine Oberfräße für 100,- DM (BASIC von Bahr) wird wahrscheinlich noch die nächsten zwei Boote überleben. Viele Werkzeuge kommen bei nur einer Bearbeitungsaufgabe zum Einsatz. Absolut kein Kompromiß darf beim Kauf des

Schleifpapiers eingegangen werden. Spätestens nach Aufbringung des glasfaserverstärkten Kunststoffes ist das Beste vom Besten gefragt. Hier schon mal eine Detailinfo: das Beste vom Besten ist Steratpapier (Boschbezeichnung "white Paint"). Der Preis des Papiers ist jedoch auch der Höchste vom Höchsten.

meiner Freundin in ziemlich unfertigem Zustand. Es gefällt mir sehr gut. Es zeigt eine interessante Bauphase.

Allen von Euch, die diese Sache in Angriff nehmen, wünsche ich viel Spaß bei der Arbeit und beim Tüfteln.

Es war wohl der falsche Zeitpunkt, deshalb legte ich es zurück. Dieses Buch bestärkt den angehenden Bootsbauer in seinem Vorhaben. Auch durchschnittlich handwerklich begabte Menschen können solch ein Boot bauen. Aus meinen Erfahrungen heraus spielt lediglich die Geduld eine Rolle. Nach dem Urlaub recherchierte ich wegen des benötigten Material. Ich hatte Lust ein Boot zu bauen, 

ausgezeichnet geeignet. Es hat einen Nachteil. Es bezieht sich auf amerikanische Verhältnisse. Die Übersetzung von "von der Linden", welche auf deutsche Verhältnisse zugeschnitten ist, beantwortet nicht alle Fragen.

Versetze ich mich in meine damalige Situation beim Studium des Buches, blieben einige Fragen offen, andere ergaben sich. Einiges ist unpraktikabel und kann besser gemacht werden. Die Fragen möchte ich beantworten und das Unpraktikable aussondern. Das Buch "Canoecraft" (ISBN 3-926308-05-2) soll als roter Faden dienen und in Griffnähe liegen. Der Buchpreis von 55,- DM ist Peanuts gegenüber den fälligen Material- und Werkzeugkosten.

Während des Jahres der Bauphase wird es für Euch nur ein Thema geben. Das Baujahr und Eure erste Fahrt wird Euch unvergeßlich bleiben. Bei Fragen und Problemen nutzt die Punkte FAQ, Hilfe und Email der Website.

Für die Nennung von preisgünstigen Bezugsquellen wird Euch mein Dank ewig nachschleichen. "Bootsbau ist Schleifen". Übrigens, daß Bootsmodell (1:12) steht auf meinem Wohnzimmerschrank, jedoch sehr zum Unmut

Ich baute im Zeitraum von Anfang 1999 bis Mitte 2000 einen Holzcanadier. Ich wollte einen Solocanadier. Meine Wahl viel auf den Canadier "English 20". Der Typ English 20 wurde als Zweier für Regatten entwickelt. Die Tragfähigkeit ist zweitrangig. Die Maße entnahm ich aus einer Tabelle im Buch "Canoecraft". In diesem Buch sind die Maße von sieben Canadiern dokumentiert. (Notiz am Rande: Die Maßtabelle des Canadiers "Redbird" in der 1. Auflage 1996 deutsch ist falsch.)

Ich möchte den Einsteigern durch die Dokumentation der Bauphasen des "English 20" den Einstieg erleichtern. Das Buch "Canoecraft" ist als Schritt für Schritt Anleitung

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