Mulde: Wanderfluß - Auenfluß - Wiesenfluß vor Dessau für Weiterfahrt gesperrt

Widmung: Unser besonderer Dank gilt Lutz. Er ist einer der mutigen Männer, die sich nicht scheuen, Ihr Auto     nach einer Wasserwanderkarte zu steuern.

Unsere Flußtour beginnt in Leisnig auf der Freiberger Mulde. Eine ideale Einsatzstelle auf einem Parkplatz am rechten Ufer ist schnell gefunden. Vor uns liegen ca. 120 Flußkilometer und drei fast sommerwarme Apriltage. Erstaunt sind wir über die Wasserqualität der Mulde, welche zwar (noch?) nicht zum Bad einlädt, sich aber seit 1990 erheblich verbessert hat. Die Mulde fließt mit ca. 5 km/h munter dahin, so daß wir mit einer Reisegeschwindigkeit von 10 km/h gut vorankommen.

Erachtens allerdings nicht für Kanadier eignet. Nach dem Zusammenfluß des Mühlgrabens mit der Mulde trägt uns die Strömung am ehemaligen Eilenburger Chemiewerk vorbei. Heute ein “Industriedenkmal”. Hartnäckig hält sich in der Region das Gerücht, daß sich zu DDR- Zeiten Parteifunktionäre und Werkleiter rühmten, durch eine ausgewogene Einleitung von Säuren und Basen in die Mulde diese gegenseitig zu neutralisieren.

OSTERN 2000   Stimmungsbericht, 3Tage

Unterbrochen wird unsere Fahrt auch durch den Besuch von zwei Kneipen. Am ersten Tag erreichen wir ein Ausflugslokal direkt an einer Schiffsmühle (einzige funktionstüchtige in Deutschland). Zwei kühle Bier im schönen Biergarten bei herrlichem Wetter machen überhöhte Preise, lange Wartezeiten und lieblos zubereitetes Essen wett. Den Verdauungsschnaps nehmen wir dann doch lieber im Boot zu uns. Tipp: Nur Bierchen trinken, nicht den Koch herausfordern! Unser zweites kullinarisches Erlebnis ist weitaus angenehmer. Kurz vor Wurzen treffen wir am rechten Ufer auf eine Kneipe mit gutem Preis- Leistungsverhältnis und einem gemütlichen Biergarten mit “Meerblick”.

hat. Im Gebiet um Grimma nimmt die Mulde einen anderen Charakter als den eines Auen- und Wiesenflusses an. Die Fahrt führt durch ein Gebiet, welches wir als “Klein Elbsandstein” in Erinnerung behalten werden.

Unser erster Zeltplatz liegt direkt an einem Wehr kurz vor der Ortschaft Treben. Das laute Rauschen überdeckt jedes weitere Geräusch, so daß wir nach kurzer Zeit im Tiefschlaf liegen. Die Fahrt durch den Eilenburger Mühlgraben sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Einfahrt links vor dem Eilenburger Wehr ist nicht zu verfehlen. Anfangs mäandert der Mühlgraben stark und man paddelt an hohen Ufern vorbei. Im Stadtgebiet von Eilenburg, welches in einem Werbevideo übertrieben “Klein- Venedig” genannt wird, bildet der Mühlgraben eine Insel. In diesem Bereich wurden früher ca. vier Mühlen betrieben. Wir wählen den rechten Arm. Die Fahrt übers Wehr ist flott und unproblematisch. Links ist eine gleichwertige Durchfahrt ausgeschildert, die sich unseres

Dies läßt schließen, daß eine Befahrung bei normalem Wasserstand möglich ist. Ein Check der Umtragemöglichkeiten läßt das Wasserwandererherz in heißer Liebe für die intelligente Planung erglühen.

Die Strecke von Eilenburg bis Hohenprießnitz ist einer der schönsten Flußabschnitte. Die Mulde mäandert hier durch eine schöne Auenlandschaft. Gegenüber der Ortschaft Lausig übernachten wir auf einer Sandbank. Nachdem wir Bad Düben passiert haben, dient uns der Fluß nur noch als Transportweg zum Muldenstausee. Auch die Wasserqualität scheint nachzulassen.

Gewöhnlich wird der deutsche Wasserwanderer durch den Gewässerfüherer des DKV auf Gefahren hingewiesen. Im Fall der Einfahrt auf den Bitterfelder Stausee fühlen wir uns jedoch geradezu irregeführt. Laut DKV- Führer soll man die Befahrbarkeit bei Hochwasser prüfen.

Variante 1: Klettertour über eine ca. 2 m hohe und 1,5 m breite Mauer, welche oben abgerundet ist

Von einer Befahrung ist aufgrund einer starken Rückströmung in jedem Fall abzuraten. Eine Gedenktafel erinnert an zwei Kanufreunde, die hier im Frühjahr 1999 tödlich verunglückten. So entscheiden wir uns dafür, Boot, Gepäck und uns über die Mauer zu hieven, um im sumpfigen Matsch des Bitterfelder Stausees zu landen. Dessen Wasser eignet sich nicht für eine Reinigung. Wir beenden unsere Fahrt im Yachtclub Pouch, wo wir von Lutz abgeholt werden.

Variante 2: Wandertour auf einem 1 km langen Umtrageweg

Im großen und ganzen sind es positive Eindrücke, die wir von unserer Muldenfahrt mitnehmen.

Zahlreiche im Gestrüpp hängende blaue und weiße Plastikfolien erzählen von der Funktion der Mulde als preisgünstige Müllentsorgungseinrichtung. Sieht man großzügig darüber hinweg ist die Mulde ein interessanter Wanderfluß, der im Bereich Leisnig - Bad- Düben einiges zu bieten 

Unterbrochen wird unsere Fahrt durch einige Wehre. Bis auf eine Ausnahme ist keins davon befahrbar. Umtragen bzw. Umschleifen stellt aber kein Problem dar. Die Mitnahme einer Bootswaagens kann man sich sparen.

Mulde